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America’s Cup 2017 Bermuda: Fliegende Katamarane eroberten den Great Sound

Es war ein Juni, den Bermuda so schnell nicht vergessen wird. Der Great Sound, die weitläufige Meeresbucht im Herzen der Inselgruppe, wurde zur Bühne des prestigträchtigsten Segelwettbewerbs der Welt. Zehn Tage lang, vom 17. bis zum 26. Juni, hielt der 35. America’s Cup die Inseln in Atem. Zehntausende kamen. Und Bermuda stand zum ersten Mal überhaupt als Gastgeber in der 166-jährigen Geschichte dieses Rennens im Rampenlicht.

Eine Insel im Ausnahmezustand

Bereits Wochen vor dem Startschuss war die Stimmung bereits elektrisierend. Hamilton war kaum wiederzuerkennen. In Dockyard im Westen der Inseln herrschte Ausnahmezustand. Kein Hotelzimmer mehr frei, Restaurants jeden Abend voll, auf den Straßen ein buntes Durcheinander aus Segelverrückten, Journalisten und Schaulustigen aus aller Welt. Bermuda hatte im Vorfeld mit sich gerungen, ob es ein Event dieser Größenordnung wirklich stemmen kann. Die Antwort kam schnell und eindeutig.

Das America’s Cup Village: Fest am Wasser

Direkt in Dockyard entstand ein eigenes Veranstaltungsdorf, das America’s Cup Village. Wer dort stand, hatte das Rennen fast zum Greifen nah. Riesige Bildschirme sorgten dafür, dass auch der letzte Winkel des Geländes nichts verpasste. Die Atmosphäre war schwer zu beschreiben, irgendwo zwischen Segelweltmeisterschaft und karibischem Straßenfest. Wyclef Jean, früher bei den Fugees, heizte der Menge ein. Bermudianische Gombey-Tänzer sorgten für Lokalkolorit. Und das Red Bull Airforce-Team ließ sich per Paraglider aus einem Hubschrauber fallen, um punktgenau auf dem Hafensteg zu landen. Das Publikum tobte.

Wind, Sonne und bermudianische Unberechenbarkeit

Das Wetter war gut, meistens jedenfalls. Warme Temperaturen, viel Sonne, das türkis-grüne Wasser in seinem typischen Bermuda-Blau. Aber der Wind machte, was er wollte. Das tut er hier immer. Gleich zu Beginn musste der Regattastart um einen Tag verschoben werden, weil die Böen zu stark waren. Unter sechs und über 24 Knoten durfte nicht gestartet werden. Wer auf der Tribüne saß und auf den Startschuss wartete, lernte an diesen Tagen Geduld.

Fliegende Katamarane mit fast 100 km/h

Fünf Herausforderer gingen gegen Titelverteidiger Oracle Team USA ins Rennen. Emirates Team New Zealand, Land Rover BAR mit Sir Ben Ainslie, Artemis Racing aus Schweden, Groupama Team France und Softbank Team Japan. Was diese Teams auf dem Wasser zeigten, hatte mit klassischem Segeln herzlich wenig zu tun. Die AC50-Katamarane hoben sich bei Wind komplett aus dem Wasser und glitten auf Tragflächen dahin. Knapp 100 km/h auf einem Segelboot. Wer das zum ersten Mal sah, traute seinen Augen kaum.

Neuseeland gewinnt mit Fahrrädern an Bord

Das Finale war keine Überraschung mehr, spätestens nach den ersten Rennen. Emirates Team New Zealand gewann mit 7:1 gegen Oracle. Dominant, klar und verdient. Die Neuseeländer hatten aber nicht nur das schnellere Boot gebaut. Sie hatten einen cleveren Trick im Gepäck. Statt der üblichen Handkurbeln zur Steuerung von Tragflächen und Segeln setzten sie auf vier kleine Fahrräder an Bord. Beine sind stärker als Arme, ganz einfach. Es funktionierte. Skipper Peter Burling war 26 Jahre alt und wurde an diesem Tag der jüngste siegreiche Steuermann in der Geschichte des America’s Cup.

Was der America’s Cup für Bermuda bedeutet

7 Millionen US-Dollar hatte Bermuda in die Ausrichtung gesteckt. Der erwartete wirtschaftliche Ertrag lag bei bis zu 250 Millionen. Aber Zahlen erzählen nie die ganze Geschichte. Was Bermuda in diesen zehn Tagen gewonnen hat, ist schwerer zu beziffern. Das Bild einer kleinen Inselgruppe mitten im Atlantik, die einen der ältesten Sportevents der Welt souverän und mit Stil über die Bühne bringt, geht um die Welt.
Wer heute dabei war, wird diese Wochen nicht so schnell vergessen. Die Energie am Wasser, die Abendsonne über dem Great Sound, das Surren der Katamarane kurz vor dem Start. Und dann dieser Moment, als Neuseeland die Trophäe in die Höhe hob. Bermuda hat heute Sportgeschichte geschrieben. Ganz leise, ganz groß.

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