Bermudadreieck
Das Bermuda Dreieck (Bermuda Triangle) ist die Quelle der erstaunlichsten Legende, die mit den Bermudas verbunden ist. Geprägt wurde der Begriff im Jahre 1964 von Vincent Gaddis. Er war ein US amerikanischer Journalist. Befürworter halten hartnäckig am Mythos fest. Skeptiker sprechen von Fantastereien und Zufällen. Sagen, Legenden und Verschwörungstheorien von verschwundenen Schiffen, Flugzeugen und Besatzungsmitgliedern, Riesenkraken und Unterwasserfriedhöfen ranken sich um das besagte Seegebiet. Sogar Atlantis und das Tor zur Hölle finden gelegentlich Erwähnung. Das Bermuda Dreieck wird deshalb auch gerne als Teufelsdreieck bezeichnet. Sensationen lassen sich schließlich gut verkaufen. So auch 1974 als der Bestseller „The Bermuda Triangle“ von Charles Berlitz und J. Manson Valentine veröffentlicht wurde. Ein Jahr später erschien die nüchterne Gegendarstellung. Lawrence Kusche wertete in seinem Buch „The Bermuda Triangle Mystery – Solved“ die Originalquellen aus und zeigte, dass die meisten Vorfälle rationale Erklärungen haben oder sich nachweislich außerhalb des Dreiecks ereigneten. Gerne außer Acht gelassen wird dabei die Tatsache, dass auch in anderen Weltmeeren Schiffe sanken. Sicher ist, dass rund um Bermuda mindestens 100 Schiffswracks liegen. Die Dunkelziffer könnte dreimal so hoch sein. Lloyds of London, die renommierteste Schiffsversicherung der Welt, stuft das Bermudadreieck übrigens nicht als Hochrisikogebiet ein. Die Unfallrate ist, gemessen am Verkehrsaufkommen, unauffällig. Bermudas Einheimische runzeln oft die Stirn, wenn das Bermuda Dreieck von Touristen erwähnt wird. Auf Bermuda hat jeder seine ganz eigene Meinung dazu. Aber der Reihe nach …
Wo liegt das Bermuda Dreieck?

Das Bermudadreieck liegt im westlichen Atlantik, eingespannt zwischen drei Eckpunkten. Im Norden die Bermuda Inseln, im Westen Miami an der Ostküste Floridas und im Süden San Juan, die Hauptstadt der Karibikinsel Puerto Rico. Die drei Punkte spannen ein Dreieck auf, dessen Seiten jeweils zwischen 1.500 und 1.700 Kilometern lang sind.
Geografisch liegt das Gebiet vollständig im Nordatlantik, nördlich der Karibik und östlich der amerikanischen Ostküste. Im Westen grenzt es an die Straße von Florida, durch die der Golfstrom in Richtung Nordatlantik fließt. Im Süden liegen die Bahamas mit ihren zahlreichen flachen Inselketten und Sandbänken. Im Osten öffnet sich das Gebiet zum offenen Atlantik.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass die Bermuda Inseln, die dem Dreieck seinen Namen geben, nicht im Zentrum des Gebiets liegen, sondern dessen nördlichsten Eckpunkt bilden. Bermuda selbst liegt rund 1.070 Kilometer östlich von Cape Hatteras in North Carolina und rund 1.400 Kilometer nördlich von Puerto Rico. Für Seeleute und Piloten auf dem Weg nach oder von Bermuda führt die direkte Route zwangsläufig durch das Bermudadreieck. Das Gebiet hat keine offiziell festgelegten Grenzen. Je nach Definition variiert die Fläche erheblich, die engere klassische Abgrenzung kommt auf rund 1,1 Millionen Quadratkilometer. Zum Vergleich: Das ist etwa dreimal die Fläche Deutschlands. Manche Autoren haben das Gebiet über die Jahrhunderte auf bis zu 3,9 Millionen Quadratkilometer ausgedehnt, was Lawrence Kusche 1975 als eine der zentralen Manipulationen in der Bermudadreieck-Literatur identifizierte. Je größer das Gebiet, desto mehr Unglücke lassen sich ihm zuordnen.
Bekannte Vorfälle im Bermuda Dreieck
Vorfälle gab es reichlich in den letzen 100 Jahren. Interessant ist der gemeinsame Nenner. Es ging immer um Schiffe oder Flugzeuge, die vollbetankt bei sehr guten Wetterverhältnissen wie vom Erdboden verschluckt waren. Funkkontakte rissen ab, ohne dass es zuvor Probleme gab. Plötzlicher Kerosin- und Orientierungsverlust werden auch gerne angeführt und dann geht auch noch die Crew verloren. Das hat natürlich Film- und Literaturqualität und bietet optimalen Treibstoff für widersprüchliche Theorien über das berühmte Bermuda Triangle.

Tudor Star Tiger verschwindet kurz vor Bermuda von der Bildfläche

Um 3:17h GMT sendete der Funker die letzte Nachricht. Ton entspannt, kein Hinweis auf Probleme. Das Flugzeug sollte um 5h morgens in Bermuda landen. Als es nicht ankam und alle Kontaktversuche scheiterten, rief der Bermuda-Funker um 4:40h den Notstand aus. Kein Notruf war je eingegangen, von keiner der zahlreichen Empfangsstationen die auf der Frequenz der Star Tiger lauschten.
Die US Air Force startete eine fünftägige Suchaktion mit 26 Flugzeugen und 882 Flugstunden, dazu Schiffe. Weder Überlebende, noch Wrackteile, noch Leichen wurden je gefunden. Die britische Untersuchungskommission unter Lord Macmillan tagte elf Tage öffentlich und konnte keine Ursache feststellen. Ihr Abschlussbericht enthält einen Satz der in Luftfahrtuntersuchungen selten vorkommt: „Kein rätselhafteres Problem wurde je zur Untersuchung vorgelegt.“ Die Star Tiger verschwand 440 Meilen nordöstlich von Bermuda, weit außerhalb des eigentlichen Bermudadreiecks.Ein Detail das Anhänger des Mythos regelmäßig übergehen.
Flug 441 spurlos verschwunden
Am 30. Oktober 1954 hob Flug 441 von der Patuxent River Naval Air Station in Maryland ab. An Bord der Lockheed R7V-1 Super Constellation der US Navy befanden sich 42 Personen, überwiegend Marineoffiziere und ihre Familien auf dem Weg zu Übersee-Stationierungen. Ziel war der Flughafen Lajes auf den Azoren. Die Maschine war für ihre Zeit ein Highend-Gerät und in der Lage den Atlantik in gut acht Stunden zu überqueren und mit zwei leistungsstarken Funksendern sowie Wetterradar ausgestattet. Wie so oft bei Bermudadreieck-Vorfällen verlief der Flug zunächst normal. Gegen 23:30h sendete die Besatzung einen Routinebericht. Letzter bekannter Standort war etwa 650 km vor der Küste. Dann Stille. Kein Notruf, keine SOS-Nachricht, kein Mayday. Eine der größten Suchaktionen der US Navy zwischen der Küste von New Jersey und den Azoren blieb vollständig ergebnislos. Am 4. November wurde die Suche wegen extremer Wetterbedingungen abgebrochen. Der Luftfahrtausschuss der Marine untersuchte den Vorfall gründlich, leider ohne Befund. Es blieb ein verschwundenes Flugzeug ohne jede Spur, und ein Vorfall der geografisch knapp im Bereich des Bermudadreiecks stattfand, aber keine übernatürliche Erklärung erfordert.
SS Marine Sulphur Queen – Öltanker mit 39 Mann Besatzung verschwunden

Der letzte Vorfall im Bermudadreieck (2017): Privatflug MU-2B
Am 15. Mai 2017 verschwand der bislang letzte dokumentierte Privatflug MU-2B im Bermudadreieck spurlos über dem Atlantik. An Bord der zweimotorigen Mitsubishi MU-2B-40 (Kennzeichen N220N) befanden sich vier Personen. Pilot Nathan Ulrich (52) aus New Hampshire sowie die New Yorker Unternehmerin Jennifer Blumin (40) mit ihren Söhnen im Alter von drei und vier Jahren. Die Maschine war gegen 11h morgens vom Flughafen Aguadilla in Puerto Rico gestartet und sollte zum Space Coast Regional Airport in Titusville, Florida fliegen.
Der Flug verlief zunächst unauffällig. Die MU-2B flog auf Reiseflughöhe 24.000 Fuß mit 300 Knoten auf ihrem IFR-Flugplan. Gegen 12:35h versuchte ein Controller des Miami Center, den Piloten auf eine neue Frequenz zu übergeben. Keine Antwort. Auch eine Boeing 737 einer Southwest-Airlines-Maschine versuchte auf Bitte des Controllers, die MU-2B zu erreichen. Kurz darauf verschwand das Primärradar-Ziel, zirka 37 Meilen östlich der Insel Eleuthera (Bahamas). Um 14:10h meldete Miami Center das Flugzeug als vermisst an das 7. Distrikt-Kommando der US Coast Guard.
Die Suchaktion war erheblich. Die Coast Guard schickte drei Flugzeuge, einen Hubschrauber und den Küstenwachkutter Bernard C. Webber. Die US Air Force stellte zusätzlich eine C-130 und einen Jayhawk-Helikopter. Am nächsten Tag, dem 16. Mai, entdeckte die Besatzung eines Coast Guard Jayhawk-Helikopters gegen 15:30h ein Trümmerfeld sowie einen Treibstofffilm auf dem Wasser, etwa 15 Meilen östlich von Eleuthera. Geborgene Trümmerteile wurden als Komponenten einer MU-2B bestätigt. Die Coast Guard durchsuchte insgesamt über 8.200 Quadratmeilen. Weder Überlebende, noch Leichen, noch das Hauptwrack wurden je gefunden.
Das NTSB leitete eine Untersuchung ein und veröffentlichte seinen Abschlussbericht im Oktober 2018. Die wahrscheinliche Unfallursache lautete: der Pilot flog wissentlich in ein Gebiet mit bekannten Vereisungsbedingungen und konvektiver Gewitteraktivität, was zum Kontrollverlust über die Maschine führte. Zum Zeitpunkt des Verschwindens war für das Gebiet ein SIGMET aktiv, das häufige Gewitter mit Tops bis 44.000 Fuß (ca. 13 km) warnte. Meteorologische Analysen des NTSB zeigten zudem ein bis zu 90-prozentiges Auftreten sogenannter Supercooled Large Droplets (SLD), überkälteter Wassertropfen von bis zu hundertfacher Größe normaler Eispartikel, die Enteisungssysteme wirkungslos machen und in Sekundenschnelle unkontrollierbare Eisbildung auch außerhalb geschützter Flächen erzeugen können.
Zum Flugzeugtyp: Die MU-2B ist ein japanischer zweimotoriger Turboprop des Herstellers Mitsubishi, der für seine anspruchsvollen Flugeigenschaften bekannt ist. Gebaut zwischen 1963 und 1986. Nach einer Serie von Unfällen erließ die FAA 2005 ein Sonderreglement (SFAR), das erhöhte Trainingsanforderungen vorschrieb. Nathan Ulrich hatte zu diesem Zeitpunkt erst 100 Stunden auf dem Muster absolviert, das seit Januar 2017 aktiv trainiert wurde. In seinem Flugbuch fanden Ermittler außerdem Hinweise auf nachträglich veränderte Einträge.
Eine Einschränkung des NTSB-Berichts, die Fachleute kritisch anmerken ist, dass die Schlussfolgerung ohne Hauptwrack, ohne Flugdatenschreiber, ohne Stimmenrekorder und ohne Leichenbefunde getroffen wurde. Ob eine plötzliche Druckkabinen-Dekompression, ein medizinischer Notfall oder ein mechanisches Versagen als Mitwirkung auszuschließen ist, bleibt mangels Beweismaterial offen. Das Bermudadreieck selbst wird im NTSB-Bericht nicht erwähnt. Die Coast Guard erklärte während der Suche explizit, „Folklore oder Mythos“ spielten bei Rettungseinsätzen keine Rolle.
Erklärungstheorien für das Bermuda Dreieck
Für die ungeklärten Vorfälle im Bermudadreieck gibt es keine einzelne, alles erklärende Ursache. Die Wissenschaft hat mehrere plausible Faktoren identifiziert, die je nach Vorfall einzeln oder in Kombination gewirkt haben dürften.
Magnetische Anomalien
Die Theorie, dass im Bermudadreieck Kompasse versagen oder falsche Richtungen anzeigen, hat eine lange Geschichte. Schon Christoph Kolumbus soll auf seiner Atlantikreise ungewöhnliche Kompassabweichungen beobachtet haben. Was er tatsächlich wahrnahm, ist heute erklärbar. An wenigen Stellen der Erde zeigt der Kompass in Richtung des geografischen statt des magnetischen Nordpols. Das Bermudadreieck ist eine davon. Wer diese Abweichung nicht kennt und nicht korrigiert, navigierte falsch.
Das Project Magnet der US Navy untersuchte über zwei Jahrzehnte das Erdmagnetfeld und kam zu einem eindeutigen Ergebnis. Im Bermudadreieck gibt es keine außergewöhnlichen magnetischen Anomalien, die über das natürliche Maß hinausgehen. Die Theorie ist damit nicht vollständig widerlegt, aber stark relativiert. Für Piloten und Kapitäne mit modernen Navigationssystemen spielt die Kompassabweichung heute keine Rolle mehr.
Methanhydrat-Ausbrüche
Dies ist die wissenschaftlich interessanteste Theorie, auch wenn sie bis heute unbewiesen ist. Geowissenschaftler aus Japan, Deutschland und den USA haben im Gebiet des Bermudadreiecks große Vorkommen von Methanhydrat am Meeresboden nachgewiesen. Methanhydrat ist ein eisähnlicher Feststoff, der in Tiefen zwischen 300 und 2.000 Metern entsteht, wenn sich Methan bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen in Wasser einlagert. Kommt es durch Seebeben oder tektonische Verschiebungen zu plötzlichen Druck- oder Temperaturveränderungen, kann das Methan explosionsartig freigesetzt werden.
Das aufsteigende Gas verringert die Dichte des Wassers erheblich. Ein Schiff, das sich direkt über einem solchen Ausbruch befindet, verliert schlagartig seinen Auftrieb und kann binnen Sekunden sinken, ohne dass die Besatzung noch einen Notruf absetzen kann. Für Flugzeuge ist dieser Mechanismus weniger relevant, da Methan in Flughöhe keine Wirkung entfaltet. Ein direkter Nachweis, dass ein konkretes Schiffsverschwinden im Bermudadreieck auf Methanhydrat-Ausbrüche zurückzuführen ist, steht bis heute aus.
Klimatische Bedingungen
Das Bermudadreieck liegt im Hauptkorridor atlantischer Hurrikane. Die Hurrikansaison von Juni bis November bringt Stürme, die sich in kürzester Zeit und mit extremer Wucht entfalten können. Dazu kommen sogenannte Downbursts, kurze Gewitterböen, die die US Navy als besonders gefährlich einstuft. Sie brechen mit enormer Kraft herein, dauern aber oft weniger als fünf Minuten und sind auf Radarschirmen kaum zu erfassen. Ein Schiff oder Flugzeug, das in einen solchen Downburst gerät, hat kaum Zeit zu reagieren.
Verstärkt wird die Gefahr durch den Golfstrom. Er fließt mit bis zu neun Kilometern pro Stunde durch das Gebiet und verfrachtet Wrackteile innerhalb von Stunden weit vom Unglücksort. Dazu kommen zahlreiche Flachwasserzonen rund um die Bahamas, die Schiffe vor allem bei schlechter Sicht oder fehlerhafter Navigation in Gefahr bringen. Diese Faktoren zusammen erklären, warum Bergungsmannschaften häufig nichts finden, selbst wenn der ungefähre Unglücksort bekannt ist.
Menschliche Fehler und Überlastung
Die US Navy, die US Coast Guard und der australische Physiker Karl Kruszelnicki kommen unabhängig voneinander zum gleichen Schluss. Menschliches Versagen ist die wahrscheinlichste Erklärung für die überwiegende Mehrzahl der Vorfälle im Bermudadreieck. Zur Zeit der meisten dokumentierten Unglücke gab es weder GPS noch zuverlässige Wettervorhersagen. Viele Piloten und Kapitäne waren jung und unerfahren, wie der Fall von Flight 19 im Jahr 1945 zeigt, wo der leitende Pilot Lieutenant Taylor das Gebiet nicht kannte und trotz widersprüchlicher Funksprüche an einer falschen Positionseinschätzung festhielt.
Auch Lloyds of London, eine der renommiertesten Versicherungsgesellschaften der Welt, bestätigt dies. Gemessen am enormen Verkehrsaufkommen ist die Unfallrate im Bermudadreieck nicht höher als in anderen stark befahrenen Seegebieten. Wo viel Verkehr ist, passieren mehr Unfälle. Das Bermudadreieck ist keine Ausnahme, sondern eine Regel.
Fazit
Das Bermudadreieck ist eines der hartnäckigsten Mythen der modernen Populärkultur. Nicht weil die Fakten rätselhaft sind, sondern weil die Menschen Rätsel lieben. Schlechtes Wetter, menschliche Fehler, ein Golfstrom der Spuren verwischt, und ein Seegebiet das zu den meistbefahrenen der Welt gehört. Das ist die nüchterne Wahrheit hinter dem Teufelsdreieck. Lawrence Kusche hat das 1975 belegt. Lloyds of London bestätigt es mit Zahlen. Die US Navy sagt dasselbe. Kein einziger seriöser Wissenschaftler, keine einzige Behörde hat je einen übernatürlichen Befund zum Bermudadreieck veröffentlicht. Was bleibt, ist ein faszinierendes Stück Meeresgeschichte mit echten Tragödien, echten Verlusten und echten, wenn auch unspektakulären Erklärungen. Wer mehr wissen will, findet auf dieser Seite alles was dazu belegt ist. Wer den Mythos bevorzugt, wird auch das Bermuda Dreieck weiter lieben.
Häufige Fragen zum Bermudadreieck
Wie viele Menschen sind im Bermudadreieck verschwunden?
Eine gesicherte Gesamtzahl gibt es nicht. Dokumentiert sind in den vergangenen rund 500 Jahren etwa 50 verschwundene Schiffe und rund 20 Flugzeuge. Die damit verbundenen Menschenverluste gehen in die Hunderte, belastbare Gesamtzahlen existieren jedoch nicht, weil viele ältere Fälle nie systematisch erfasst wurden und zahlreiche Vorfälle nachweislich außerhalb des eigentlichen Dreiecksgebiets stattfanden. Entscheidend ist der Befund von Lawrence Kusche, der 1975 in seiner quellenkritischen Aufarbeitung zeigte, dass die Verlustrate im Bermudadreieck gemessen am Verkehrsaufkommen nicht höher ist als in vergleichbaren Seegebieten weltweit.
Warum verschwinden Schiffe und Flugzeuge im Bermudadreieck?
Die Wissenschaft hat keine übernatürliche Erklärung gefunden. US Navy und US Coast Guard sehen als Hauptursachen das Zusammenspiel aus Naturgewalten und menschlichem Versagen. Die Region liegt im Hauptkorridor atlantischer Hurrikane, tropische Stürme können sich innerhalb von Minuten entfalten. Dazu kommt der Golfstrom, der Wrackteile in kurzer Zeit weit verfrachtet und Bergungsversuche erschwert. Im Gebiet der Bahamabänke gibt es zahlreiche Flachwasserzonen, die die Navigation gefährlich machen.
Gibt es das Bermudadreieck wirklich?
Ja, zumindest als geografisches Gebiet im Atlantik zwischen Südflorida, Puerto Rico und Bermuda. Als Zone mit überdurchschnittlich vielen Unglücken eher nicht. Die NOAA stellt in ihrer offiziellen Stellungnahme klar, dass das Bermudadreieck weder offiziell kartiert ist noch vom U.S. Board of Geographic Names als offizieller Name anerkannt wird. Kusche wies 1975 nach, dass die mysteriöse Wirkung des Bermudadreiecks vor allem dadurch entstand, dass Autoren unkritisch voneinander abschrieben, Vorfälle außerhalb des Gebiets fälschlich zugeordnet wurden und Berichte über die Jahre immer dramatischer wurden. Dabei kamen gar keine neuen Fakten hinzu.
Warum ist das Bermudadreieck so gefährlich?
Der Großteil atlantischer Tropenstürme und Hurrikane zieht durch dieses Seegebiet. Der Golfstrom erzeugt starke, wechselhafte Strömungen, die Wrackteile schnell verfrachten. Zahlreiche Inseln und Flachwasserzonen rund um die Bahamas machen die Schiffsnavigation tückisch. Zur Zeit der meisten historischen Unglücke gab es weder zuverlässige Wettervorhersagen noch GPS. Diese Kombination erklärt die hohe Unglücksrate der Vergangenheit. Heute zählt das Gebiet zu den meistbefahrenen Schifffahrts- und Flugrouten des Atlantiks.
Wie tief ist das Bermudadreieck?
Die Tiefen variieren erheblich. Flache Bereiche um die Bahamas liegen bei wenigen Metern. Am südlichen Rand des Bermudadreiecks grenzt das Gebiet an den Puerto-Rico-Graben, den tiefsten Punkt des gesamten Atlantiks. Die tiefste vermessene Stelle dort, der Milwaukee Deep, wurde 2018 von Victor Vescovo in einem Tauchboot erstmals persönlich erreicht und auf 8.376 Meter verifiziert. Diese extremen Tiefenunterschiede auf engem Raum erschweren Bergungsarbeiten erheblich und erklären, warum Wracks oft nie gefunden werden.
Wie groß ist das Bermudadreieck?
Das Bermudadreieck hat keine offiziell festgelegten Grenzen. Laut dem U.S. Board of Geographic Names ist es kein anerkannter geografischer Begriff und existiert auf keiner offiziellen Karte. Je nach Urheberdefinition wird die Fläche auf 1,3 bis 3,9 Millionen Quadratkilometer geschätzt. Das entspricht etwa der Fläche von Angola bis hin zur Fläche Indiens. Die engere, klassische Definition mit den Eckpunkten Bermuda, Miami und San Juan auf Puerto Rico kommt auf rund 1,1 Millionen Quadratkilometer, also etwa dreimal die Fläche Deutschlands.
